Opferhilfekongress 2016

Programmablauf

09:00 Uhr  Anreise, Anmeldung
   
10:00 Uhr  Begrüßung
   
10:45 Uhr 

Hauptvortrag:
Entwicklung von Opferhilfe und Opferschutz

Referentin: Sibylle Rothkegel, Dipl. Psych., Psychotherapeutin, Vorstandsvorsitzende bei RECHT WÜRDE HELFEN - Institut für Opferschutz im Strafverfahren e.V. -

   
11:30 Uhr Kaffeepause
   
12:00 Uhr 

Fachvorträge zu den Schwerpunkten 1-6

   
 
Schwerpunkt 1:

Neuer Umgang mit Opfern von Straftaten

Fachvortrag
Opferschutz im Strafverfahren: Wo stehen wir heute, insbesondere nach der EU-Opferschutzrichtlinie und dem 3. Opferrechtsreformgesetz?

Referentin: Sylvia Frey-Simon, Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Leiterin des Referats R B 4, insbesondere zuständig für Opferschutz im Strafverfahren

Beschreibung:
Zahlreiche Gesetzgebungsvorhaben der letzten Jahre haben die Situation der Opfer kontinuierlich verbessert und dazu geführt, dass der Opferschutz seinen festen Platz in der Strafprozessordnung hat. Mit dem 3. Opferrechtsreformgesetz sind weitere wichtige Schritte unternommen worden, um den Schutzstandard für die Opfer zu erhöhen.
 
Schwerpunkt 2:

Opfer von fremdenfeindlicher und rechtsradikaler Gewalt

Fachvortrag
Opferberatung für Opfer rechtsextremistischer Gewalt

Referentin: Dr. Bettina Doering, Dipl.-Psychologin, Leiterin des Niedersächsischen Demokratiezentrums, Landespräventionsrat Niedersachsen

Beschreibung:
In Niedersachsen soll ein Beratungsangebot für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt etabliert werden. Im Vortrag wird erläutert, welchen besonderen Schutzbedarf diese Betroffenen haben, welche Qualitätskriterien an diese Form der Betroffenenberatung angelegt und welche Angebote bereitgestellt werden müssen.
 
Schwerpunkt 3:

Tatort IT- vom Telefontrick bis zu Cybercrime

Fachvortrag
Opferwerdung bei Cybercrime. Ein Bericht zur aktuellen Lage

Referent: Christian Pursche, Kriminaloberkommissar, Landeskriminalamt Niedersachsen, Zentralstelle Cybercrime

Beschreibung:
IT- ist allgegenwärtig und Sicherheit wird in allen Lebenslagen als existenziell empfunden – somit nimmt die IT-Sicherheit einen sehr hohen Stellenwert in unserem beruflichen und privaten Alltag ein. Internet- und Computerkriminalität sind neben Medienkompetenz und technischer Sensibilisierung die Herausforderungen der Neuzeit. Der Fachvortrag zeigt die Gefahren auf, gibt Ratschläge für einen sicheren und sensiblen Umgang und bietet Hilfestellungen an.
 
Schwerpunkt 4:

Verstehen und verstanden werden in der Opferhilfe

Fachvortrag
Die Situation von gewaltbetroffenen Frauen mit Behinderung 

Referentin: Sandra Boger, Dipl. Psychologin, Referentin im Projekt Suse vom Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe

Beschreibung:
Wie sieht die Lebenssituation behinderter Frauen in Bezug auf die Betroffenheit von Gewalt aus? Welche besonderen Bedingungen bestehen beim Zugang zu Beratungs- und Unterstützungsangeboten? Welche Herausforderungen resultieren aus diesen Bedingungen für Beratung und Unterstützung? Was muss anders werden, damit es gute und individuell passende Hilfsangebote gibt? Diese Fragen werden im Fachvortrag erläutert und diskutiert.
 
Schwerpunkt 5:

Alternative Hilfen und Unterstützungen

Referent: Andreas Feyerabend, Fachberater für Psychotraumatologie, Leitung Traumaambulanz der MH Hannover

Fachvortrag
Professionelle Nachsorge nach belastenden Erfahrungen im beruflichen Alltag…damit die Arbeit nicht zum Albtraum wird
Beschreibung:
Depressive Störungen, die oft nach belastenden Erfahrungen eintreten, zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und führen meist zu einer  schwerwiegenden individuellen Belastung mit weitreichenden psychosozialen Folgen. Das soziale Umfeld, insbesondere die Familie, ist häufig erheblich mitbetroffen. Auch in der Arbeitswelt ist das Phänomen betroffener Mitarbeiter/Innen weit verbreitet. Im Fachvortrag wird eine Methode vorgestellt, wie eine professionelle Nachsorge durch Arbeitgeber und Kollegen aussehen könnte, damit die Arbeit nicht zum Albtraum wird.
 
Schwerpunkt 6:

Tabu & Scham: Gewalt gegen Männer und Jungen

Fachvortrag
Gewalt an Jungen und Männern im Dunkel- und Hellfeld

Referentin: Dr. Wiebke Steffen Kriminologin, Vorsitzende des Fachbeirats Kriminalprävention und Mitglied im Bundesvorstand des WEISSEN RING e.V., Mitglied im Programmbeirat des Deutschen Präventionstages

Beschreibung:
Die meisten Opfer von physischen Gewalttaten und auch viele Opfer sexualisierter Gewalt sind im Dunkel- wie im Hellfeld der Kriminalität Jungen und Männer. Das wird von der Gesellschaft ebenso wenig zur Kenntnis genommen wie von den Betroffenen selbst. Offenbar erleben sich Männer, männliche Jugendliche und Jungen mehrheitlich weder als besonders gefährdet, noch sehen sie sich (gern) als Opfer. Das erschwert nicht nur die Prävention dieser Viktimisierungen, sondern auch die eigentlich erforderliche Unterstützung und Hilfe.
 
   
13:00 Uhr

Mittagspause
 

   
13:45 Uhr 

Workshops 1 zu den Schwerpunkten 1-6

 
 
Workshop 1.1:
Drei Jahre psychosoziale Prozessbegleitung in Niedersachsen - angekommen in der Praxis?
Referentinnen/Referenten: VRiLG Matthias Koller, VPräsLG Michael Kalde, Rechtsanwalt Karl-Heinz Mügge, Rechtsanwalt Dr. Felix Schulz, psychosoziale Prozessbegleiterin Marion Gottschlich, Staatsanwältin Ilva Gelmke

Beschreibung:
In Niedersachsen besteht das Angebot einer psychosozialen Prozessbegleitung bereits seit 3 Jahren. Aber ist dieses Angebot tatsächlich auch schon in der Praxis angekommen? Der Workshop beleuchtet erste praktische Erfahrungen mit der psychosozialen Prozessbegleitung aus der Sicht der unterschiedlichen Verfahrensbeteiligten

 
Workshop 2.1:
Salafistische Radikalisierung und Extremismus: Die Frage nach den Opfern (Vortrag)

Referent: Dr. Menno Preuschaft, Islamwissenschaftler, stellv. Leiter des Niedersächsischen Demokratiezentrums, Landespräventionsrat Niedersachsen

Beschreibung:
Die Radikalisierung im salafistischen Milieu wird in der öffentlichen Debatte zumeist als Problematik der Sicherheitsbehörden diskutiert. Die Frage, wer indes Opfer solcher Radikalisierungsprozesse ist, zum Beispiel Familien, das weitere soziale Nahfeld, vor dem IS geflüchtete Personen, wird dabei allenfalls am Rande thematisiert.
 
Workshop 3.1 :
Jugendliche bei WhatsApp, Instagram und Facebook: was geht uns das an?

Referent: Moritz Becker, Dipl. Sozialarbeiter / Sozialpädagoge (FH), Gründungsmitglied und Referent bei smiley e.V, Dozent der Nds. Landesmedienanstalt (NLM) und Lehrbeauftragter an der Universität Hannover

Beschreibung:
Das Internet ist mehr als nur eine einzigartige Informationsquelle. Während sich Kinder und Jugendliche die vielseitigen Unterhaltungs-, Darstellungs- und Kommunikationsmöglichkeiten des Internets selbstbestimmt aneignen, wächst die Sorge vor unbedachten Angaben persönlicher Daten, Fotos und virtuellem Mobbing.

Auf sehr nachvollziehbare, bisweilen nachdenkliche - aber auch auf überaus unterhaltsame Art und Weise stellt Moritz Becker die Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen dar und diskutiert immer wieder die Frage: Was geht uns das an?

 
Workshop 4.1:
Leichte Sprache als Instrument im Umgang mit Opfern von Straftaten

Referentin: Professorin Dr. phil. habil. Christiane Maaß (Universität Hildesheim)

Beschreibung:
Behördliche Inhalte stellen Bürgerinnen und Bürger oft vor Herausforderungen, wenn es um Verständlichkeit geht. Und dabei sind es gerade die Schreiben vom Amt oder einer anderen Institution, die von den Empfängern hinreichend verstanden werden sollten, um sie zur notwendigen Handlung zu befähigen. Ziel ist die Sensibilisierung für das Thema Leichte Sprache in Justiz und Administration sowie die Vermittlung grundlegender Regeln der Leichten Sprache gemäß aktuellem Forschungsstand.
 
Workshop 5.1:
Tiergestützte Therapie

Referentin: Dr. Carola Otterstedt, Geisteswissenschaftlerin
Gründerin von der Stiftung Bündnis Mensch & Tier

Beschreibung:
Menschen und Tiere teilen einen gleichen Lebensraum und haben eine gemeinsame Geschichte der Beziehung. Natur und Tiere im Rahmen der Opferhilfe in die Begleitung von Menschen einzubinden, kann einen neuen Weg in der Opferhilfe bedeuten. Im Workshop werden praktische Beispiele der Tiergestützten Intervention.
 
Workshop 6.1:
Männer als Opfer Häuslicher Gewalt

Paradoxien, Hindernisse und Lösungsansätze in der Beratung gewaltbetroffener Männer

Referent: Georg Fiedeler, Sozialpsychologe und Systemischer Einzel-, Paar- und Familientherapeut, leitet das Projekt „Beratung männlicher Opfer Häuslicher Gewalt“  im Männerbüro Hannover e.V.

Beschreibung:
Zwischen realem Vorkommen und gesellschaftlicher Wahrnehmung von Gewalthandlungen gegen Männer klafft eine Lücke, die sich auch im Kontext Häuslicher Gewalt zeigt. Das Fehlen eines sozialen Rollenskripts für Männer als Opfer macht es Männern mit Gewalterfahrungen besonders schwer, Unterstützung zu suchen.
   
14:45 Uhr 

Kaffeepause
 

   
15:00 Uhr 

Workshops 2 zu den Schwerpunkten 1-6

 
 
Workshop 1.2
Opferorientierung im Justizvollzug
 

Referentin: Dr. Susanne Jacob, Leiterin der Sozialtherapeutischen Abteilung der JVA Uelzen

Beschreibung:
In der Gestaltung des Justizvollzuges ist es von wachsender Bedeutung, Bedürfnisse der Kriminalitätsopfer stärker zu berücksichtigen und Wiedergutmachung und Verantwortungs-übernahme als wichtige Bestandteile einer Resozialisierung zu betrachten. In dem Workshop werden aktuelle Initiativen des Justizvollzuges vorgestellt, die dazu dienen sollen, diesen stärker auf die Gesellschaft und die Kriminalitätsopfer ausgerichteten Perspektivwechsel zu vollziehen.
 
Workshop 2.2
Psychosoziale und Psychotherapeutische Versorgung von Flüchtlingen in Niedersachsen - Herausforderungen und Chancen
 

Referentinnen: Karin Loos Dipl. Sozialpädagogin / Frauke Baller Psychologische Psychotherapeutin; Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen e.V.

Beschreibung:
In dem Workshop geht es um die Zugangsbarrieren für Flüchtlinge in die Regelversorgung und die Herausforderungen, die die Öffnung für die Zielgruppe beinhaltet sowie um die praktischen Möglichkeiten (trauma)therapeutischer Arbeit mit Flüchtlingen ggf. unter Hinzuziehung von Dolmetscher/innen.
 
Workshop 3.2
Telefontrick, Enkeltrick, Fishing
 
Referent: Carsten Rosengarten, Oberstaatsanwalt, Generalstaatsanwaltschaft Celle, Zentrale Stelle Organisierte Kriminalität und Korruption
Beschreibung:
In dem Workshop werden verschiedene Arten von Betrugsdelikten durch das Telefon vorgestellt und diskutiert.
 
Workshop 4.2
Interkulturelle Kompetenz und Kommunikation im Strafverfahren
 

Referentin: Fülya Kurun, Interkulturelle Trainerin, Mitarbeiterin des Interkulturellen Dienstes bei der Polizeidirektion Hannover

Beschreibung:
Anhand praktischer Beispiele und Übungen werden interkulturelle Kompetenzen dargestellt und Ihre Bedeutung im Strafverfahren diskutiert.

Workshop 5.2
Täter-Opfer-Ausgleich unter besonderer Berücksichtigung von Opferinteressen
 

Referentinnen: Corinna Koopten-Bohlemann Dipl. Sozialpädagogin/ Dipl. Sozialarbeiterin, Dipl. Mediatorin, Stiftung Opferhilfe Niedersachsen (Büro Braunschweig); Nicole Wetjen, Dipl. Sozialpädagogin/ Dipl. Sozialarbeiterin, Dipl. Mediatorin,Ambulanter Justizsozialdienst Büro Lüneburg, Sozialarbeiterin & Mediatorin

Beschreibung:
Wiedergutmachungsleistungen, Ausgleichsgespräche, Befriedung des Konflikts - was ist im TOA in Verfahren wegen Sexualdelikten möglich? Was wären notwendige Voraussetzungen?
 
Workshop 6.2
Im Schatten? Jungen und Männer als Opfer sexualisierter Gewalt.
 
Referent: Thomas Schlingmann, Dipl. Psychologe, Traumafachberater, Mitbegründer von Tauwetter, Anlaufstelle für Männer, die in Kindheit oder Jugend sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren
Beschreibung:
Auch wenn seit dem Bekanntwerden der Häufigkeit sexualisierter Gewalt gegen Jungen in Institutionen im Jahre 2010 eigentlich bekannt ist, dass auch Jungen zu Opfern werden, verschwindet die Kategorie Geschlecht zunehmend aus dem Bewusstsein. Was bedeutet es aber für einen Jungen Opfer sexualisierter Gewalt geworden zu sein? Wie gehen erwachsene Männer mit der sexualisierten Gewalt in der Kindheit oder Jugend um? Was macht es so schwer, deren Probleme wahrzunehmen?
   
16:00 Uhr

Abschluss & Ausklang
Zum Ausklang des Tages laden wir Sie herzlich zu einem Getränk bei musikalischer Begleitung durch die Band „das loungehouse“ ein.

   
18:00 Uhr

Ende der Veranstaltung

Eine Übersicht der Workshops zum Ausdrucken finden Sie hier.